Moby Dick
Hin und wieder erliege ich der Versuchung, mal wieder einen Klassiker der Weltliteratur zu lesen. Einem wird ja immer eingeredet, dass es Werke gibt, die man als halbwegs gebildeter Mensch einfach gelesen haben sollte. Im vorliegenden Fall war es Episode 9 aus der 11ten Staffel von M*A*S*H („Run for the money“), in der Winchester einem Patienten „Moby Dick“ ans Herz legt bzw. das Buch in die Hand drückt. Den neu erworbenen Kindle nutzte ich also, um mich dieses Klassikers mal anzunehmen, zumal man solche Werke ja auch für lau bekommt, jedenfalls die englischen Originalausgaben.
Ich bin jemand, der im allgemeinen zu Ende führt, was er anfängt, auch wenn es weh tut. Und Herman Melvilles Magnum Opus verursachte mir einiges an Schmerzen. Ich könnte mich jetzt lang und breit darüber auslassen, aber ich belasse es dabei, einen zeitgenössischen Kritiker zu zitieren, wobei ich das Zitat aus dem Wikipedia-Artikel zu Moby Dick entleihe:
“[A]n ill-compounded mixture of romance and matter-of-fact. The idea of a connected and collected story has obviously visited and abandoned its writer again and again in the course of composition. The style of his tale is in places disfigured by mad (rather than bad) English; and its catastrophe is hastily, weakly, and obscurely managed.”
Das trifft es ziemlich gut. Die eigentliche Handlung des Buches könnte man locker auf höchstens 20% der Länge eindampfen. Insbesondere, wenn man die handlungsfernen Teile weglässt, in denen sich der Autor lang und breit über Wale und Walfang im allgemeinen auslässt. Wer nur den Wikipedia-Eintrag über das Buch gelesen hat und sich vielleicht noch zu ein paar Artikeln über den Walfang im 19. Jahrhundert durchgeklickt hat, muss das eigentliche Buch nicht mehr lesen.
Wieder einmal wurde ich darin bestätigt, dass „Klassiker der Weltliteratur“ ein Etikett ist, das mir zum Warnschild gereichen sollte. Ich werde es zukünftig den Masoliteraten überlassen, so etwas zu lesen und sich darüber auszulassen. Und ich werde mal gründlich meine Gewohnheit überdenken, angefangene Bücher auch durchzulesen.
Zur Abwechslung gibts jetzt eine deutsche Übersetzung eines japanischen Buches, dessen Handlung sich in der Gegenwart abspielt. Ich hab neulich 1Q84 sehr günstig im Kindle-Store erstanden.